Gesamtschule Osterfeld


Schule kultureller Vielfalt
 

Klangkarten muntern Schüler auf

Die Bildungsbürokraten nennen sie umständlich und ein wenig beschönigend Schulformwechsler-Klasse, doch in Wahrheit hat jeder einzelne dieser Siebtklässler an der Gesamtschule Osterfeld schon ein bewegtes Schulschicksal hinter sich.

Die jungen Leute hatten zuvor eine andere Schule besucht, waren auf Gymnasien oder Realschulen und haben es dann dort in den ersten Jahren nicht geschafft. Die Schulnoten waren so schlecht, dass sie die Schulform verlassen mussten – Freunde, Schulkollegen, ein vertrautes Umfeld blieben zurück.

Dass durch diese Erfahrung gleich beim Start in ihre Bildungskarriere das Selbstbewusstsein der zwölf- und 13-jährigen Schüler nicht gerade besonders üppig ausfällt, ist durchaus nachvollziehbar. „Die Jugendlichen fühlen sich oft als Systemverlierer, sie glauben irrtümlicherweise, sie seien so etwas wie die Loser vom Dienst“, sagt Pia Junghans von der Oberhausener Arbeiterwohlfahrt.

Zusammen mit dem Awo-Kreisverband Niederrhein und einer erklecklichen Fördersumme der RAG-Stiftung sorgen Fachleute und Künstler seit Herbst 2018 in einem Kulturprojekt dafür, dass die jungen Menschen wieder aufgepäppelt werden.

„Glück auf! Für eine starke Jugend im Revier“ versucht mit den Werten der Bergleute erst einmal ein Gemeinschaftsgefühl der zusammengewürfelten Klassen zu erreichen – und jedem Einzelnen zu beweisen, dass er mehr kann, als er selbst glaubt. Die Klassengemeinschaften sollen Solidarität, Zusammenhalt, Mut, Vertrauen und Verlässlichkeit erleben und erlernen.

„Kunst und Kreativität sind dabei sehr schöne Zugänge für Schüler, die vielleicht nicht so gut Deutsch oder Mathe können, dann aber erkennen, dass sie künstlerisch begabt sind“, meint Junghans. Bewusst wurden für dieses Projekt Schulen mit einem schwierigen Umfeld ausgewählt – in Duisburg, Essen, Mülheim und Oberhausen.

Gemeinsam im Klettergarten

In Oberhausen setzen externe Künstler mit den Klassen 7g und 7h der Gesamtschule Osterfeld Projekte um. Derzeit entwickeln die Schüler Rap-Songs und wollen diese in einem mobilen Tonstudio im Februar aufnehmen. Zu Projektbeginn hatten sie von ihrer neuen Schule per Smartphone ein Fotomosaik erstellt – eine Kombination aus Kennenlernprogramm der Bildungsstätte und Medienworkshop. Als Teambildungsmaßnahme kletterten die Klassen außerdem gemeinsam im Klettergarten des Landschaftsparks Duisburg-Nord oder in der Duisburger Boulderhalle.

Auf dem Gelände der früheren Duisburger Hochöfen und auf der Zeche Zollverein erstellten die teilnehmenden Klassen der Ruhrgebiets-Schulen Klangkarten fürs Internet – eine besonders hübsche Idee, bei der nicht nur Zeichnungen und Collagen angefertigt, sondern diese auch mit eigenen O-Tönen und Klängen von vor Ort garniert werden.

Dabei sollen die Jugendlichen darstellen, wie der jeweilige Ort aus der Bergbaugeschichte des Ruhrgebiets auf sie heute wirkt. Sie lernen, was früher dort produziert worden ist.

www.awo-oberhausen.de/projekte/schule

Auf der Klangkarte zur Zeche Zollverein erzählen Schüler der Klasse 7g ihre Eindrücke – die Klangkarten sind im Internet auf der Seite der Arbeiterwohlfahrt zu finden.