Gesamtschule Osterfeld


Schule kultureller Vielfalt
 


Auf dem Ettersberg

Im Februar 2019 besuchten wir, Schülerinnen und Schüler aus Projekt-, Leistungs- und Grundkurs Geschichte, die Stadt Weimar und die KZ-Gedenkstätte Buchenwald auf dem Ettersberg.

Nachdem ich bereits vor Jahren die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen kennengelernt hatte, war ich mir mehr oder weniger sicher, dass ich dort alles Wichtige gesehen und erfahren habe – doch dem war nicht so.

Im Verlaufe unseres zweitägigen Seminars führte uns der Seminarleiter nach unserer ersten Auseinandersetzung mit Fotos und Bildern aus der Lagerzeit über das ehemalige Lagergelände zu mehreren typischen Orten: 

Zu den bedrückendsten zählten sicher die Genickschussanlage, in der sowjetische Kriegsgefangene erschossen wurden, das Krematorium, in dem die Leichen Tausender ermordeter oder durch Hunger, Entkräftung, Krankheit, Zwangsarbeit zu Tode gekommener Häftlinge verbrannt wurden und die Massengräber außerhalb des Lagers – heute eine große Denkmalanlage. Das volle Ausmaß des riesigen Lagers und des Appellplatzes zeigte sich erst, als uns am Ende des Rundgangs das große Eingangstor des Lagers mit der Aufschrift „Jedem das Seine“ nur noch klein vorkam.

Besonders erschreckend für mich war auch die Pathologie, der „Arbeitsplatz“ des Lagerarztes mit Tisch und „Sezier-Apparatur“, an dem verschiedene schändliche Experimente an Häftlingen vorgenommen worden waren.

Ich nutze die Chance zur freien Geländeerkundung am zweiten Tag dazu, mir in der ehemaligen „Effektenkammer“ die heutige Dauerausstellung zur Lagergeschichte anzusehen. Besonders in Erinnerung ist mir dabei ein Galgen geblieben, welcher dafür ausgelegt wurde, nicht nur einen, sondern gleichzeitig drei Menschen erhängen zu können.

„Effektivität“ in der Menschenvernichtung ... welch grausame „Rationalität“ der NS-Täter.

Vor unserer Abfahrt besuchten wir noch eine in den Boden gelassene Gedenkplatte und legten Blumen für die Opfer nieder.

Keiner von uns musste hier zum Stillsein aufgefordert werden – und unser gemeinsames Schweigen kam mir wie eine Ewigkeit vor.

 

 Julien Juch, Q1