Gesamtschule Osterfeld

Kulturelle Vielfalt in der Schule
 

Couragiert für ein friedliches Miteinander
Vom Projekttag an der Gesamtschule Osterfeld

 Was braucht es, um Rassismus in der Gesellschaft vorzubeugen und ihn zu bekämpfen? Viele Heldinnen und Helden, die sich im Alltag gegen Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Religion oder Herkunft und für Gleichberechtigung und Toleranz einsetzen. Welche sozialen Kompetenzen für eine stabile Haltung des Antirassismus und der Zivilcourage nötig sind, haben die Trainerinnen und Trainer von "Helden e.V" und "Transparenz" mit den Schüler:innen des 5. und 6. Jahrgangs praktisch im Rahmen des Aktionstages "Schule-ohne-Rassismus" geübt.

Schüler:innen des 7. Jahrgangs lernten an Stationen und in interreligiösen Dialogen während ihres Besuchs in der VIKZ-Moschee, in der Jüdischen Gemeinde und in der Kirchengemeinde St. Pankratius in Oberhausen Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser drei Weltreligionen kennen. Wer verschiedene religiöse Auffassungen kennt, dem wird es leichter fallen, sie zu respektieren. 



Im Oberhausener Bunkermuseum setzten sich GSO-Schüler:innen des 8. Jahrgangs mit dem Thema  „Jugend im Nationalsozialismus“ auseinander, während andere an einem Workshop zum Training antirassistischen Verhaltens  bei Schauspieler:innen des Theaters Oberhausen teilnahmen. Auch in den von den „HeRoes Duisburg“ angebotenen Rollenspielen konnten die jungen Leute sich mancher tief sitzender Vorurteile bewusst werden und Versuche unternehmen, diese aufzubrechen. Die 8e setzte sich in Begleitung von Frau Havemann in einem Workshop mit der Frage „Vom Krieg zum Frieden: Was uns das Osterfelder „Russenlager“ lehren kann“ auseinander und pflanzte anschließend mit unserem SOR-Paten, Herrn Schepers, am Friedens- und Gedenkort an der Malzstraße neue Blumen.



Für den 9. Jahrgang konnte wieder Nils Oskamp engagiert werden, der ein kleines Jubiläum an der GSO feierte: Schon zum fünften Mal las er aus seiner Graphic Novel „Drei Steine“, in der er eigene Gewalterfahrungen mit Neonazis thematisiert. Zwei weitere 9. Klassen besuchten die Dokumentationsstätte für die NS-Nachwuchsbildung in der Ordensburg Vogelsang und setzten sich mit den Wegen ideologischer Manipulation der damals herangebildeten Hitler-Elite-Jugend auseinander.



In einem Workshop zum Thema Rechtsextremismus der Friedrich-Ebert-Stiftung ließen sich einige ausgewählte Schüler:innen des Jahrgangs 10 zu Guides ausbilden, die dann wiederum die anderen 10er Klassen am SOR-Tag durch die Wanderausstellung der FES führen durften.



Die Oberstufenschüler:innen nutzten das Angebot, sich mit der bevorstehenden NRW-Landtagswahl auseinanderzusetzen, indem Vertreter:innen verschiedener Parteien zu interessierenden Themen befragt werden konnten und in der anschließenden Wahlsimulation eine Probeabstimmung durchgeführt wurde. Als Jungpolitiker:innen aus Oberhausen konnten für die Podiumsdiskussion Tim Tzscheppan von der SPD, Louisa Baumann von Bündnis 90/Die Grünen, Max Baum von der FDP und Tobias Aarns von der CDU gewonnen werden.  Nach Abstimmungsproblemen mit der Oberhausener Vertretung der Linkspartei waren wir überrascht, dass dafür kurzfristig der NRW-Landessprecher dieser Partei, Jules EL-Khatib, einspringen konnte.



Einig zeigten sich die Parteienvertreter:innen hinsichtlich des dringenden Ausbaus des ÖPNV. El-Khatib drängte im Namen seiner Partei aber vor allem darauf, dass insbesondere strukturschwache Gegenden vorrangig ausgebaut werden müssten. Bezüglich der Digitalisierung von Schulen gab es weitgehende Übereinstimmung darin, dass bisher noch nicht genügend gehandelt wurde. So beanstandete Tim Tzscheppan, dass beim Netzausbau nach wie vor auf Kupfer- anstatt auf Glasfaserkabel gesetzt werde. El-Khatib kritisierte die ungleiche Verteilung von Ressourcen, die sich gerade während des Lockdowns noch weiter verschärft habe: „Partizipation dürfe nicht am Geldbeutel hängen.“

Konsens gab es unter allen Podiumsteilnehmer:innen hinsichtlich der Verurteilung des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges. Aus der Schülerschaft kam die Frage, wie wir nun mit Hass auf russischsprachige Menschen in Deutschland umgehen sollten, der sich schon mancherorts in brutaler Gewalt geäußert habe. Tim Tzscheppan (SPD) gab zu bedenken, dass ein nicht geringer Teil russischsprachiger Menschen in Deutschland dem aktuellen Regime nahestehen würden. Doch sollten solcherlei Sympathien dennoch niemals Anlass für Gewalthandlungen sein, auch wenn sie nicht unter den Teppich gekehrt werden dürfen. Um Menschen zu erreichen, müssen wir ihnen sprechen, betonte Tobias Aarns (CDU): Wir müssen in den Dialog mit ihnen treten, statt sie auszuschließen, nur so können wir sie für unsere Demokratie gewinnen. 



Auch bei der Frage nach der Impflicht wäre mehr Dialog vonnöten gewesen, betonte El-Khatib: Er und seine Partei hätten die Impfpflicht abgelehnt, weil „Gespräche und finanzielle Anreize die Impfbereitschaft eher erhöhen würden als Bestrafungen“. Tim Tzscheppan verdeutlichte den Standpunkt seiner Partei für eine Impfpflichte ab 60 Jahren, stellte aber auch klar, dass er ungern über Fragen diskutiere, die nicht mehr zur Debatte stünden. Auch in diesem Jahr interessierten sich anwesende Schüler:innen für die Standpunkte der Parteien zum sogenannten „Kopftuchverbot im Staatsdienst“. Daran entzündete sich die stärkste Kontroverse an diesem Vormittag. El-Khatib (Die Linke) argumentierte, dass gerade erst auf Drängen der CDU, FDP und AFD ein Kopftuchverbot für das Justizsystem beschlossen wurde. Keine Gruppe werde derzeit so stark diskriminiert, wie Frauen mit Kopftuch. Staatliche Verbote verstärken Diskriminierung und antimuslimischen Rassismus. Beides sei mit der Partei „Die Linke“ nicht zu machen, so EL-Khatib. Diese Position wurde von anderen Podiumsgästen kritisiert. Max Baum (FDP) stellte heraus, dass es sich nicht um ein Verbot handele, sondern um ein Gesetz, welches die Neutralität von Beamten im Staatsdienst gewährleisten soll. Nicht nur Kopftuch, sondern auch Kippa und Kreuz hätten im Staatsdienst nichts zu suchen. Das neue Gesetz beziehe sich zudem nicht nur auf religiöse Symbole, sondern auch auf politische. So könne eine Lehrkraft durchaus Mitglied der SPD sein, dürfe aber kein T-Shirt mit SPD-Werbung während der Arbeitszeit tragen. In der Freizeit kann natürlich alles getragen werden, solange es keine verfassungsfeindlichen Symbole sind. Ähnlich differenziert versuchte Tobias Aarns das neue Gesetz zu begründen. Er führte aus, dass er selbst Theologe sei und an seiner Universität ein Mönch einen Lehrstuhl für katholische Theologie bekleide. Allerdings trage dieser Mönch, wenn er als Staatsbediensteter seiner Arbeit nachgeht, einen Anzug, nicht aber die Mönchskutte als Zeichen seiner religiösen Überzeugung.

Leider kamen solche Fragen, ob die angekündigten immensen Ausgabensteigerungen für die Aufrüstung der Bundeswehr nicht zu Lasten der dringend benötigten Investitionen für ökologische oder bildungspolitische Ziele gehen werden, in der Diskussion zu kurz, so wie auch die von Louisa Baumann vorgetragenen Argumente ihrer Partei zu Fragen der Energiewende. 

Auch wenn alle PolitikerInnen sehr differenziert und anspruchsvoll ihre Standpunkte verdeutlichten, schien Jules El-Khatib den Nerv der jungen Probe-Wählerschaft an diesem Tag am besten getroffen zu haben.

  

  

Von 277 abgegeben Stimmen fielen 239 auf „Die Linke“, das entspricht 86 %. „Ein postrealsozialistisches Traumergebnis“ schreibt ein Twitter-User in die Kommentarspalte des Linkenpolitikers. Auf Platz 2 landete die FDP mit 23 Stimmen, gefolgt von der SPD mit 11 Stimmen und der CDU und Bündnis 90/Die Grünen mit jeweils 2 Stimmen.

Das Schule-ohne-Rassismus-Team der GSO dankt allen an diesem erfolgreichen Tag Beteiligten von Herzen.

Im Namen des SOR-Teams der GSO (Jana Schmidt, Melissa Nemi, Pia Wolff, Sandra Tomczak, Ramona Komp und Nico Grönke)

Textbeitrag: Ramona Komp und Nico Grönke

Facebook: Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

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